Saumarkt_Skulptur

Wenn dein Pferd tot ist, steig ab!


 
 
Diese Redensart, meist als &dbquo;Sprichwort der Dakota – Indianer deklariert, macht derzeit Furore. Das drastische Bild
bringt die aktuellen Themen der Veränderung, Berufswechsel, Reformen und Neuorganisationen auf den Punkt.
Warum sind Veränderungen in Politik, Gesellschaft, in Gemeinden, in den Kirchen so zäh und entmutigend?
 
Bei Politikern geht es um Gesundheitsreform, bei Lehrern um Schulreform, bei Managern um Umstrukturierung,
bei Unternehmern um neue Absatzmärkte und Produkte, bei der Kirche um "grundlegende Neubesinnung und Neubewertung"
des kirchlichen Handelns, wie es die "pastoralen Leitlinien" nennen.
Der "Reformstau" in der katholischen Kirche wird immer bedrohlicher!
 
Viele Betroffene haben indes den Eindruck, dass die nötigen Veränderungen nicht oder nur halbherzig in Angriff genommen werden.
Viele haben Angst, ihre gute Position und damit ihren Einfluss, ihre Macht und ihr Gesicht zu verlieren.
Statt dass man auf "neue Pferde" und evtl. auf "neue Reiter" setzt, sehen die Ausreden so aus:
 
-Wir erklären: Kein Pferd kann so tot sein, dass man es nicht noch schlagen könnte.
-Wir sind schon so lange auf dem Pferd geritten, dass wir uns ein anderes nicht vorstellen können.
-Wir führen ein Gespräch mit dem Pferd und fordern von ihm mehr Leistung.
-Wir wechseln den Reiter.
-Wir verpflichten Leute von außerhalb, um das tote Pferd zu reiten.
-Wir veranlassen eine Gegenstudie, die die Lebendigkeit des Pferdes vielleicht noch nachweisen lässt.
-Wir erstellen eine Power – Point - Präsentation darüber, was das Pferd alles könnte, wenn es noch lebte.
-Wir stellen fest, dass die anderen auch tote Pferde reiten und erklären dies zum Normalzustand.
-Wir strukturieren um, damit ein anderer Bereich das tote Pferd bekommt.
-Wir kaufen einen modernen Sattel, was das tote Pferd vielleicht noch laufen lässt.
-Wir gründen einen Arbeitskreis, um den Zustand des Pferdes zu analysieren.
-Wir suchen Berater und bezahlen sie, die uns bestätigen, dass das Pferd nicht tot sein kann- oder doch tot ist.
-Wir bringen das Pferd mit einem zugkräftigen Namen an die Börse.
-Wir schieben eine Trainingseinheit ein, um besser reiten zu lernen.
-Wir besuchen andere Orte, um zu sehen, wie man dort mit toten  Pferden umgeht.
-Wir spannen mehrere tote Pferde zusammen, um ihre Effizienz zu erhöhen.
-Wir stellen Vergleiche zwischen unterschiedlich toten Pferden an.
-Wir ändern die Kriterien, die besagen, ab wann ein Pferd tot ist.
-Wir begnügen uns mit dieser Tatsache, denn in der Geschichte hat es schon immer tote Pferde gegeben.
 
Dieses Sprichwort kann uns Impulse für die verschiedenen Lebensbereiche geben. Denn nichts ist fataler,
als wenn wir wirklichkeitsfremd werden, alte Traditionen pflegen und Illusionen nachjagen!
Und an ihnen noch trotzig festhalten.
Wir entfremden uns von uns selbst, bis wir schließlich alle &dbquo;tot sind!

Hubert Wurz ofm

 
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