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Zen - Interview mit Hubert Wurz, OFM


 
 
 
Wann und auf welche Weise sind Sie mit Zen in Kontakt gekommen?

In den 90er Jahren bin ich auf die Würzbürger Schule der Kontemplation von Willigis Jäger
aufmerksam geworden, der ja einen ganz eigenen Blick auf Zen und das Christliche
entwickelt hat.Ich bin dann auch in Würzburg gewesen, aber einen richtigen Zugang zu Zen
habe ich erst 2001gefunden, als ich ein halbes Jahr in Südindien verbracht habe und dort den
Jesuiten AMA Samy kennen lernte, von dem ich 2007 die Autorisierung erhalten habe,
Zen zu unterrichten. Pater AMA Samy gibt bis heute Kurse im
Meditationshaus der Franziskaner in Dietfurt (Bayern).

 

Wie wird Zen praktiziert?


Wichtig ist das richtige Sitzen und Atmen. &dbquo;Richtig sitzen bedeutet, dass die Sitzfläche eben ist,
man sich nicht anlehnt und die "Sitzbeinhöcker" spürt, sodass die Wirbelsäule gerade ist.
Die Schulterblätter werden sachte nach innen gezogen und das Brustbein angehoben.
Nur so kann ich tief und rhythmisch ein- und ausatmen. Die Idealform ist der
so genannte "Lotos-Sitz", die klassischen Sitzhaltung des Yoga. Für uns Europäer gibt es zur
Erleichterung ein Meditationskissen oder noch besser, einen Meditationshocker,
der die richtige Sitzhaltung erleichtert. Während man in Stille sitzt, entsteht von selbst ein Prozess,
den man geschehen lassen soll. Es ist nicht einfach, dies "anzuschauen" und sich nicht
aus der inneren Ruhe bringen zu lassen. Das ist für viele sehr mühsam und fordert Geduld – und Zeit.

 

Zen hat seine Wurzeln im Buddhismus – eine Religion, die sich in vielen Punkten vom Christentum

unterscheidet. Gibt es zwischen Zen und dem christlichen Glauben dennoch Berührungspunkte?

Die strenge Zen-Richtung kennt keine Bilder oder Vorstellungen von Gott wie die Religionen.
Das Motto heißt: Leerheit. Eine Annäherung an den christlichen Glauben gibt es vielleicht
über die Mystik. Denn dort kann der Mensch das Göttliche erfahren. Der Himmel könnte so etwas wie
menschliche Leerheit für die Anwesenheit des Göttlichen in uns sein. Angelus Silesius beschreibt es so: "Halt" an, wo läufst du hin! Der Himmel ist in dir. Suchst du ihn anderswo, du fehlst ihn für und für.

 

Berühmte Zen-Meister sollen gesagt haben,


dass Zen im Grunde nichts biete, also keine Lehre, kein Geheimnis, keine Antworten.
Das Christentum wiederum hat eine Lehre, ein Geheimnis und bietet Antworten auf Fragen des Lebens
Warum sind Zen und Christentum Ihrer Meinung nach trotzdem miteinander vereinbar?

Zen ist eine Übung, die jeder Mensch praktizieren kann, der auf der Suche nach sich selbst und
nach dem Sinn des Lebens ist, unabhängig von einer bestimmten Religion.

Aber seine biographische und religiöse Prägung kann dadurch einen Tiefgang erhalten, so besser
verstanden und im Alltag auch gelebt werden.
 

Inwiefern unterscheiden sich Zen und christliche Meditationsformen,


wie beispielsweise die Exerzitien von Ignatius von Loyola oder das Jesusgebet der orthodoxen Kirchen?

Ich bin der Meinung, dass sie vor allem etwas miteinander verbindet. Alle Meditationsformen
verbindet der Rückzug aus dem Alltag, die Stille als Weg zur Besinnung zum Bedenken des
eigenen Lebens mit seinen vielen Überforderungen. Ich kann nur sitzen, warten und hören,
was in der Stille geschieht, welche Impulse ich für mich erhalte.
 

Die Kirche hat in ihrer Geschichte mystische Strömungen

,
die der Meditation ja eine grundlegende Bedeutung zumessen, fast immer mit Argwohn betrachtet.
Was ist Ihrer Meinung nach der Grund dafür?

Ganz klar die Angst vor Autoritätsverlust. Der Mensch, der auf seine eigenen Impulse hört,
die tief aus dem Herzen kommen, geht eigene Wege. Er benötigt nicht mehr soviel an
"Äußerem". Religionen legen immer großen Wert auf Äußerlichkeiten. So erleben wir heute auch die Institution Kirche. Das mystische Element könnte aber meiner Meinung nach das Christentum
heute wieder lebendiger werden lassen.

 

Warum übt Zen so eine große Faszination auf die Menschen in unserer westlichen Welt aus?


Wir leben heute in Europa in einer Welt des Überflusses. Überfluss an Informationen,
an Lebensmitteln, an Beschäftigungsmöglichkeiten und so weiter. Die Menschen suchen nach
innerer Kraft und die ist in der Stille zu finden. Das bietet Zen an, ohne die Menschen dabei mit komplizierten Lehren und dergleichen zu überfordern und zu verschrecken. Durch Zen können sie selbstständiger, selbstkritischer und menschlicher werden. Menschlicher in dem Sinne,
dass sie achtsamer mit sich und anderen umgehen.

 

Welchen Einfluss hat Zen-Praxis auf Ihr Leben?

Was schöpfen Sie persönlich daraus?

Sie gibt mir Kraft und hat mein Leben sehr bereichert. Diese Übung hilft mir, zu mir selbst zu finden,
zu dem, was ich unabhängig von meinen Rollen bin, die ich in meinem Leben spiele.
Das ist auch etwas sehr Befreiendes.

 

Sophie Ludewig


Hamburger  Kath. Kirchenzeitung


April 2015

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Hubert Wurz ofm

 
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